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Unverbesserlich

  • Feb. 8th, 2008 at 12:37 PM

 

Jeden Morgen kämpfe ich mich gute zwei Stunden lang durch den deutschsprachigen Blätterwald, um zu lesen, was da wieder über Russland geschrieben wurde. Es ist wirklich kein Wunder, dass mir andauernd der Magen weh tut, denn genau darauf schlägt mir das Zeug. Unmassen von Dreck, Lügen und Halbwahrheiten werden über Russland und seinem Präsidenten ausgekippt. Man macht sich nicht die Mühe der Analyse, um halbwegs objektive Texte zu schreiben. Ich werde an die Rubrik „ Was täte ich, wäre ich Direktor“ in der „Literaturnaja Gazeta“ erinnert, die sich zu Sowjetzeiten großer Beliebtheit erfreute. Jeder, pardon, Dussel ließ sich darüber aus, was er alles Gutes auf den Weg bringen würde, säße er im Direktorsessel. Man war ja damals der Meinung, dass eine Köchin den Staat regieren können muss. Tante Marussja, die Schrubberfee der Leninbibliothek trat den Beweis an und erläuterte, wie die Bibliothek wirklich zu führen sei.

 

Solche Dinge gehören zur allgegenwärtigen Realsatire, die das Leben hier interessant und nie langweilig werden lässt. Aber wenn von außen, konkret aus Deutschland, mit stetem Rückenwind aus Amerika, die russische Regierung ständig wie ein uneinsichtiger Pennäler belehrt wird und dem Land eine Demokratie nach westlichem Vorbild aufgepfropft werden soll, hört für mich der Spaß auf. Es gibt wohl kaum noch ein Land auf dieser Welt, wo die akkreditierten ausländischen Journalisten so vehement auf das Gastland einschlagen. Die deutschen mischen dabei kräftig mit. Leider.

 

Der Artikel des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain in einem renommierten deutschen Blatt schoß den Vogel ab. An Borniertheit kaum zu übertreffen. Behauptet er doch, die Amerikaner hätten den kalten Krieg gewonnen, zwar nicht im Alleingang, aber immerhin. Der kalte Krieg hatte einen Sieger? Vielleicht haben dann auch Atomkriege Gewinner?

Die Ukraine und Georgien bezeichnet der doch glatt als junge Demokratien. Das schreibt er ja nur, weil sie nicht pro- russisch sind, sonst sähe seine Einschätzung garantiert anders aus. Er war entweder nie da oder hat einfach übersehen, dass diese beiden Länder bis zur Halskrause in Korruption versunken sind und innenpolitisch keineswegs demokratisch, zumindest nach amerikanischer Lesart nicht. Dort geht es um die fetten Pfründe, die sich Regierende und Oppositionelle gegenseitig streitig machen. Dafür können sich amerikanische Militärs dort breitmachen, vor der Haustür Russlands. Na, wenn das nichts ist! Da kann man schon das Regime Saakaschwilis als junge Demokratie bezeichnen, nicht wahr?

 

McCain plädiert für eine gemeinsame Linie des Westens gegen ein revanchistisches Russland. Wo er nur das wieder her hat! Wer will denn Raketenabwehrschilde im europäischen Haus errichten? Die Russen? Wohl nicht. Und weil sie diese Pläne verständlicherweise nicht gut finden, ist der Westen eingeschnappt. Nun wollen diese gefährlichen Russen auch noch Gegenmaßnahmen ergreifen. Sie haben es ja schon immer gewusst, dass den Russen nicht zu trauen ist. Hut ab vor Herrn Propagandaminister Goebbels! Sein Bild vom slawischen Untermenschen sitzt noch immer tief. Ist ja auch unerhört, wieso können die Russen nicht einfach ihre Bodenschätze für ‘nen Appel und ‘n Ei an den Westen verkaufen und sich damit zufrieden geben. Nein, sie wollen mitmischen in der Weltwirtschaft. Das muss aber aufhören! Der amerikanische Schreiberling schlägt deshalb auch folgerichtig vor, Russland aus den G8 zu vertreiben, so dass die „führenden Marktdemokratien“ wieder unter sich sind. Er vergisst nur, dass einige von ihnen so gut wie pleite sind und keine rosigen Zukunftsaussichten haben. Das gute alte Abendland steckt in seiner vielleicht letzten großen Krise, wenn es die Zeichen der Zeit und die neuen Chancen nicht versteht.

 

Anstatt ein schönes helles europäisches Haus gemeinsam mit Russland  zu bauen, ziehen  es einige vor, zusammen mit den Amerikanern im dunklen und muffigen Keller zu sitzen, sich mit Haarspaltereien die Zeit zu vertreiben und die Welt in gut und böse einzuteilen. Offensichtlich bemerkt Frau Merkel nicht, dass das transatlantische Gängelband ganz schon kneift. Das muss man sich mal vorstellen, eine Frau und Christdemokratin schickt junge deutsche Wehrpflichtige nach Afghanistan, wo sie nichts zu suchen und nichts zu verteidigen haben. Westliche demokratische Werte ist nicht unbedingt das Lebensnotwendigste, was die Menschen dort brauchen. Ignoranz, Sendungsbewusstsein und grenzenlose Überheblichkeit stehen hinter solchen Entscheidungen, und Kadavergehorsam gegenüber den USA.

Noch lassen sich die neuen EU-Mitglieder vor den amerikanischen Karren spannen bzw. drängen selbst ins Geschirr, aber ich will einfach nicht an ihre noch lange währende Engstirnigkeit glauben.

 

Herr McCain will unter Umgehung der UNO, wo die USA nicht mehr uneingeschränkt schalten und walten können, wie sie wollen, eine „Liga der Demokratien“ gründen, um wieder in führender Position sein zu können, so wie damals vor 60 Jahren, brüstet sich der Autor. Damals hatten die USA die Gründung der NATO initiiert.  Na, bravo, da wissen wir doch gleich, wo der Hase hinläuft.

 

Im Großen und Ganzen ist es beschämend, wie alle politisch vernünftigen Vorschläge Russlands einfach in den Skat gedrückt werden und niemand die Warnungen hört, die es gegen eine Isolation des Iran und eine Unabhängigkeit des Kosovo fortwährend ausspricht. Vorwärts, bringen wir den Völkern Freiheit und Demokratie wie den Irakern!

Am Schluss habe ich nur noch einen Wunsch: McCain sollte seine Kandidatur zurückziehen.

 

 

 

 

 

 

Comments

[info]svinoyeb wrote:
Feb. 8th, 2008 06:39 pm (UTC)
Unabhängig von McCain und zu "Russland und seinem Präsidenten", so wie Sie sie zu sehen scheinen: Als Buchempfehlung Geoffrey Hosking, "Russia. Nation and Imperium". Ein bisschen Geschichte, gibt es auch in deutscher Übersetzung. Sie werden vermutlich viel Neues für sich entdecken.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 8th, 2008 07:53 pm (UTC)
Unverbesserlich
Gegenempfehlung: KroneßSchmalz "Was passiert in Russland?", Scholl-latour "Russland im Zangengriff". ich würde mich über eine ausgedehntere Diskussion mit Ihnen freuen. Martina Wiedemann
[info]svinoyeb wrote:
Feb. 8th, 2008 08:15 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Danke, ich werde es mir bei ausreichender Gelegenheit ansehen. Um das zu klären: Ich vertrete keineswegs die Auffassung, eine "westdemokratistische" Mindmap sei an alle Gesellschaften anzulegen und das, was ich am russischen Staat kritisieren würde, hat wenig mit seiner fehlenden Ähnlichkeit mit Demokratien nach westlichem Vorbild zu tun. Freilich halte ich den Umkehrschluss für falsch, das putinsche Regime sei allein deswegen schon gut und "autochton", weil es den westlichen nicht ähnele: Es ähnelt des westlichen Staatsgebilden im Übrigen ganz massiv. Beim putinschen System handelt es sich m.E. um die Fortsetzung einer Tradition, die wesentlich weiter zurückreicht denn bis zur Errichtung des Stalinismus oder bis zum Jahr 1917 und die (daher der Hosking) der Entwicklung eines russischen Nationalismus oder überhaupt eines "Russentums" seit Jahrhunderten in massiver Weise hinderlich ist. Das mag für jemanden, der der Losung "Slava Rossii!" ohne Weiteres vertraut, seltsam klingen, jedoch würde ich, nicht ganz ernsthaft natürlich, auf den Unterschied zwischen der Rossija und der Rus' verweisen.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 8th, 2008 11:08 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Ich vertrau der Losung "Slava Rossij" keineswegs. Bis später. freue mich sehr über Ihre Reaktion. marTina
[info]svinoyeb wrote:
Feb. 8th, 2008 11:11 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Zugegeben, das war polemisch.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 8th, 2008 11:15 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Darf ich mal fragen; wer Sie sind und wwomit Sie sich eschäftigen?
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 8th, 2008 11:18 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Sind Sie vielleicht ein Trüffelsucher?DasFerkel
kommt gut!
[info]svinoyeb wrote:
Feb. 8th, 2008 11:24 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Inwiefern ist es denn von Bedeutung, wer ich bin und womit ich mich beschäftige? Ich beschäftige mich mit vielen Dingen. Unter anderem studiere ich Philosophie und Ost- und Südosteuropäische Geschichte. Das ist zwar alles andere als eine erschöpfende Angabe dessen, womit ich mich beschäftige, dürfte aber das sein, wofür Sie sich interessieren.
[info]runkel wrote:
Feb. 21st, 2008 11:49 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Das ist zum Beispiel ein Trüffel:

Mit dem Amtswechsel an der Spitze der Federal Reserve hatte die Notenbank am 23.03.2006 die Veröffentlichung der Geldmenge M3 (Geldmengenwachstum) eingestellt, da sie angeblich irrelevant ist. Die Einstellung der Veröffentlichung war ein untrüglicher Hinweis auf den bevorstehenden Absturz des US-Dollars. Das Geldmengenwachstum M3 liegt zur Zeit bei etwa 18 Prozent mit exponentiellem Wachstum, im EU-Raum nahe 12 Prozent.

Um den Markt vor negativen Daten zu "schützen", wird nun die Veröffentlichung von Wirtschaftsindizes ab 01.03.2008 eingestellt:
Due to budgetary constraints, the Economic Indicators service will be discontinued effective March 1, 2008. (http://www.economicindicators.gov/ )
Na, da werden wir schaun, dann gibt es nur noch solche Sprüche, wie "die Wirtschaft entwickelt sich stabil und mit Erfolg" - da könnte man wieder an Väterchen Stalin denken, nur kommt der aus den USA.
[info]svinoyeb wrote:
Feb. 22nd, 2008 03:45 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Genosse, wann wurden Sie aus der geschlossenen entlassen und wer hat das zu verantworten?
[info]runkel wrote:
Feb. 22nd, 2008 03:54 pm (UTC)
Wer die Komfortzone des Denkens nicht verlassen will, für den kann auch heute noch die Erde eine Scheibe bleiben.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 22nd, 2008 06:02 pm (UTC)
Unverbesserlich
Komisch, Sie müssen da was verwechselt haben.Aber das macht nichts.
[info]runkel wrote:
Feb. 22nd, 2008 06:59 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Das vorher war nicht fair. Ich sehe nur, wenn eine Krise kommt, ich wurde deswegen schon einmal aus einem Land ausgebürgert. Es hat nicht einmal ein Jahr gedauert, bis es das Land nicht mehr gab. Dabei hatte ich nur versucht, den Leuten klar zu machen, dass es so nicht weitergeht.
Das Problem jetzt ist viel schlimmer, das Finanzsystem ist am Abstürzen. Dass ein Zinssystem sich irgendwann an sich selbst verschluckt, ist jedem Ökonomen klar. Haben Sie sich einmal gefragt, warum Kredite für Häuser seit 2005 in den USA vergeben wurden, wo klar war, dass die Kreditnehmer niemals den Kredit geschweige den Zins zurückzahlen könnten. Welche Bank in Russland würde Ihnen einen solchen Kredit geben?
Wenn man die künftig faulen Kredite auf dem Weltmarkt mit AAA-Bewertung verkaufen kann, ist man als Bank fein raus. Das ist aber nur sehr kurzfristig gedacht. Kurzfristig Gewinn, langfristig Katastrophe. Ok, wenn Sie bei den anderen Sachen nicht mitziehen können. Ich würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht wissen würde.
[info]runkel wrote:
Feb. 21st, 2008 10:45 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Welche Regierungsform würden Sie in einer Krise bevorzugen. Bei uns kommt auch langsam die Demokratie unter die Räder eines Rollstuhls. Das nächste Attentat ist angekündigt.
Geht man davon aus, dass 99 Prozent des Terrorismus in der Geschicht, Staatsterrorismus war, kann man ahnen woher der Wind weht.
Riesige Kapitalgesellschaften, die Weltbank usw. versuchen einiges, um die Länder für hunderte Jahre zu verschulden. Der ganze Osten wird gerade umgepflügt. Darf ich Ihnen das erste Buch von Perkins empfehlen "Ich war ein Wirtschaftsattentäter". Um Ihnen die Augen zu öffnen, empfehle ich Ihnen von Daniel Estulin "Die wahre Geschichte der Bilderberger". Es gibt auch von Professor Walter Veith einige Filme im Internet über die New World Order, die Rolle der UNO. Wissen Sie, dass Hillary Clinton durch den Hintereingang bei der letzten Tagung der Bilderberger-Tagung war. Bisher wurde immer der gewählt, der dort aufgetaucht ist. Wenn Ihnen das nicht reicht, dann fragen sie sich doch einmal, warum nur Zumwinkel genannt wurde im Steuerskandal. Dafür gibt es nur einen Grund, er wurde abserviert und nur er. Das kann zwei Ursachen haben. Er war in allen der Bilderbergkonferenzen der letzten Jahre, entweder hat er darüber geredet oder er will die Vernichtung der letzten Rechte in der Demokratie nicht mitspielen. Raten Sie mal warum Herr Fischer zurückgekommen ist aus den USA, Columbia Universität, CFR? Er wurde dort in den letzten beiden Jahren als europäischer Außenminister vorbereitet (er ist mit dem europäischen CFR zurückgekommen mit der ersten Forderung: Kampftruppen für Afghanistan).
Der CFR beherrscht die Geheimdienste, Wirtschaftsführung, Presse und wichtige Teile der Politik. Blair soll übrigens europäischer Regierungschef werden. Blair ist nun nicht gerade für die Wahrheit berühmt. Am 13. Dezember 2007 wurde die EU-Verfassung als Verwaltungsakt verabschiedet und soll ab 2009 in Kraft treten. Ein Punkt darin sind steigende Rüstungsausgaben. Woher wollen die wohl die Feinde nehmen. Die müssen natürlich jetzt schon auf Kiel gelegt werden.
Eigentlich sind nur China, Russland und Indien und wie es aussieht, auch Teile der japanischen Regierung (siehe Diskussion über den 11.9.) nur noch als Feinde möglich. Außer man will die eigene Bevölkerung unterdrücken.
Schauen Sie sich doch einmal das Interview mit Rockefeller zur New World Order an. Er hat es angeblich nicht ganz freiweillig in Japan gegeben. Dann wissen Sie, was uns blühen könnte.
[info]ovozim wrote:
Feb. 9th, 2008 03:34 pm (UTC)
keiner
Hallo,
die Kritik am Westen mag berechtigt sein. Allerdings lässt sich nicht so einseitig auf das eine System schimpfen, ohne in Verdacht so geraten, das andere damit reinwaschen zu wollen.
Vielleicht ist Russland einfach zu ehrlich. In den USA tun sie wenigstens so, als gäbe es eine Wahl. Dass Miss Clinton an die Macht kommt, steht aber schon seit 3 Jahren fest.

Nur zu Afghanistan:
Schauen wir, was der Westen (ausnahmsweise) mal Gutes bewirkt.
80% der Afghanen sehen eine wesentliche Verbesserung der Sicherheitslage, 24% sehen immerhin noch ein Verbesserung. Nur 0,6% stimmen in den hiesigen Tonfall ein und glauben an die Verschlechterung. Das sind zwar Zahlen der Bundesregierung, angesichts der steigenden Alphabetisierung, dem zivilen Aufbau und der Zustimmung vor allem der weiblichen Bevölkerung, glaube ich an den Sinn des Einsatzes.
Gleichzeitig frage ich mich, was eine 3500 Mann Truppe in diesem Riesenland wirklich bewirken kann...

[info]runkel wrote:
Feb. 21st, 2008 10:18 pm (UTC)
Re: keiner
Es geht doch dort auch nur um die alte englische Pipeline, die man bisher nicht bauen konnte und um die Front zu Iran die man sich offen halten will.
Haben Sie aus der Bildzeitung eine wesentlich Verbesserung der Sicherheitslage. Würden denn dann dort mehr Kampftruppen dort gebraucht? Afghanistan ist der größte Optiumproduzent der Welt und irgendwie war doch gerade ein amerikanischer Flieger mit 6t an Bord abgestürzt. Bestimmte Organisationen brauchen wieder Geld für einige Organisationen. Vielleicht haben Sie nicht gelesen, dass Karsai gerade eine Reihe von Engländern angeprangert hat, weil sie mindesten 2000 Tabliban ausgerüstet hatten.
Vielleicht steht das nicht in der Bild.
Wenn man beide Seiten dazu bringt, zu kämpfen, kann man immer zu den Siegern gehören. Das war schon immer englische Politik.
[info]zar_von_wien wrote:
Feb. 12th, 2008 02:37 pm (UTC)
Breite Mauer schlimmer als Einzelbrocken
Viel schlimmer als diese groben Einzelfälle finde ich die Massivität der dauernden Anti-Russland-Propaganda in ziemlich allen westeuropäischen Medien. Die Vielzahl der "Kleinigkeiten" finde ich bedenklicher als einzelne US-Hardliner.
Also beispielsweise, daß im Gasstreit Ukraine-Russland plötzlich so Phrasen wie "strittige Rechnungen" auftauchen, was impliziert, daß Rechnungen von Gazprom zu Unrecht ausgestellt worden sein könnten. (Wenn der Gashahn zur Ukraine gedrosselt wird, wissen wir, daß man nicht das Transitland schuldig erklären wird, sondern Russland dessen Einladung unabhängiger Beobachter von der EU abgelehnt wurde.)
Oder daß umfassende Fakten bezüglich OSZE-Wahlbeobachtungen in der Berichterstattung ausgespart werden, wenn es um Russland geht.
...daß nur der Fakt berichtet wird, wenn ein Oppositionspolitiker verhaftet wird, und nicht was der getan hat, um verhaftet und im Westen als Märtyrer berichtet zu werden.
...daß man aus der "Bürger stellen Fragen an den Präsidenten"-Sendung, aus der sich die EU-Staaten eine Scheibe abschneiden könnten, sich eine Einzelphrase "grandiose Waffenpläne" aus dem Kontext zerrissen herauspickt und daraus eine eigene Schlagzeile macht.
Das alles zeigt, daß bei uns die Propaganda, die agressive Informationskriegsführung mindestens so enorm ist, wie sie in der Sowjetunion war, daß in allen großen Medien bewußt russlandfeindliche Journalisten an die Hebeln gesetzt werden.

Da finde ich aus meiner Beobachtung sogar die russlandkritischen Artikel in US-Medien im Schnitt für kompetenter und angebrachter, als das was so in Ö und D serviert wird, was durch die Bank wirklich jenseits ist im Sinne der Bilder die suggeriert werden.
[info]runkel wrote:
Feb. 21st, 2008 10:23 pm (UTC)
Re: Breite Mauer schlimmer als Einzelbrocken
Unser Herr Schröder, der übrigens Europavertreter bei Rockefeller ist (die Antrittsrede kann man dort lesen) hat Russland dabei geholfen, nicht alle Rohstoffe zu verlieren. Es war aber nicht im Sinne von Rockefeller, der schon zu Sowjetzeiten Militärpatente in die UdSSR liefert, damit ein Ausgleich des Schreckens erhalten blieb. Vermutlich hat man sich Russland nicht völlig einverleiben können oder man will es wieder als Feind aufbauen. Die Märchen von den Terroristen glaubt langsam sowieso niemand mehr, außer vielleicht Bild- oder Spiegellesern.
[info]mary_joe wrote:
Feb. 12th, 2008 04:43 pm (UTC)
Hört sich aber gar nicht so nach "altem Konservatismus" an. ;)

Die Links auf Russland-Studien kommen wie gerufen, die muss ich mir bestimmt mal ansehen.
[info]mkill572 wrote:
Feb. 14th, 2008 09:15 am (UTC)
Drehen wir die Uhr mal zurück...
Vor ca. zwanzig Jahren...

"Das muss man sich mal vorstellen, ein Mann und Kommunist (Breschnew) schickt junge russische Wehrpflichtige nach Afghanistan, wo sie nichts zu suchen und nichts zu verteidigen haben. Sowjetische sozialistische Werte sind nicht unbedingt das Lebensnotwendigste, was die Menschen dort brauchen. ..."

Schon erstaunlich, wie sich diese Zeilen einer Aussage im obigen Artikel ähneln. Dass deutsche Medien nicht ausgeglichen über irgendetwas jenseits der Elbe berichten können, ist zwar bekannt, aber manchmal sollte man sich auch an die eigene Nase fassen. Die deutschen sind nicht die einzigen, die sich auf ein überflüssiges Afghanistan-Abenteuer einlassen.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 14th, 2008 11:27 pm (UTC)
Re: Drehen wir die Uhr mal zurück...
derRede wert?
[info]runkel wrote:
Feb. 21st, 2008 10:03 pm (UTC)
Die Presse lesen
Ich kann mir gut vorstellen, dass das sehr frustierend ist. Aber die Presse ist dermaßen gleichgeschaltet und manipulativ, dass ich das schon weitgehend aufgegeben habe. Im Internet findet man ganz gute Informationen. Was sieht man denn z.B. vom Zusammenbruch des Weltwirtschaftssystems in der Presse. In den USA werden vom 1.3.2008 die wichtigsten Finanzdaten nur noch nach Gutdünken veröffentlicht. Die FED und die EZB monetarisieren inzwischen auch "Klopapier".
Wir werden die EU-Verfassung bekommen, obwohl das Verfassungsgericht die Unterzeichnung dieses Gesetzes unserem Herrn Köhler untersagt hat und damit haben wir nicht ratifiziert. Trotzdem wird alles unternommen dikatatorische Strukturen zu konstruieren. Lesen Sie doch mal online die "Neue Solidarität" oder www.hartgeld.com oder us-politik.ch, dann ahnen langsam was gespielt wird. Diese Seiten haben zwar ihre Ecken und Kanten, sind aber eher der Wahrheit verpflichtet als der Halbwahrheiten oder direkten Lügen. Inzwischen ist man informierter, wenn man die offizielle Presse nicht liest, dann muß man sich nicht erst wieder alles zurechtbiegen.
[info]runkel wrote:
Feb. 22nd, 2008 07:39 pm (UTC)
Zum besseren Verständnis
Mir geht es eigentlich nicht um eine Kritik, ich versuche einfach mir klar zu werden, was gespielt wird und stoße auf immer tiefere Hintergründe. Das Hillary hatte ich auch schon mal gelesen, aber bestätigt wurde sie während der letzten Bilderbergkonferenz.
Die fand genau zur gleichen Zeit, wie der G8-Gipfel statt. Die tagen oft im Schatten von großen Veranstaltungen.
Schauen wir einfach mal auf 1990 zurück, das Zitat habe ich auf einer Seite gefunden:

"Ich glaube fest an die Möglichkeit stetiger und allmählicher Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse - gerade weil unser Existenzminimum im großen und ganzen gesichert ist. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein - insbesondere dann nicht, wenn er genug davon hat. Wir müssen uns jetzt mehr um die Dinge des Lebens kümmern, für die wir in den Aufbaujahren keine Zeit gehabt haben: Bildung, Gemeinsinn, persönliches Engagement, vernünftige Moral und moralische Vernunft, echte Autorität, Würde und gegenseitige Achtung. Es ist ein schwerer Dienst an der Freiheit - ein Dienst, den wir in allen Bereichen unserer Gesellschaft leisten müssen. Das ist die Probe, der keiner von uns entgeht".

Alfred Herrhausen
Damals Chef der Deutschen Bank
("Denken Ordnen Gestalten" 1990 in Siedler Buch)
Nun, der Mann wurde ermordet.

Die Gefahr in der wir jetzt stecken, ist, wenn alle Finanzblasen platzen, bekommen wir erst eine Stagflation mit Arbeitslosigkeit und danach eine Inflation. In der Stagflation wurden meist die Kriege nicht begonnen, eher in der Inflationsphase. Auf jeden Fall wurde dann immer auf Krieg gesetzt, um die Macht zu erhalten.
Das ist eigentlich das Problem. Bisher wird alles scheibchenweise zugegegeben, die erste Großbank in England mußte vom Staat übernommen werden. Aber das ist nur die erste, die spanischen Banken können ihre Papiere nur noch an die EZB (europäische Zentralbank) verkaufen. 4 Millionen Wohnungen stehen leer. Der Staat hat keine Reserven mehr, um die Banken zu stützen, das übernimmt die EZB mit Monetarisierung von Papieren, die kaum etwas wert sind. In Irland, England beginnen ähnliche Probleme. Natürlich liest man in der normalen Presse dazu kaum etwas. Wenn die EZB in zwei Wochen mehr Geld in den Markt pumpen muß, als den gesamten Bargeldbestand der EU (ca. 440 Mrd Euro), dann ist schon etwas am knirschen.
Inzwischen sind deutsche Soldaten in vielen Länderin im Einsatz und es werden vermutlich immer mehr. Schauen Sie sich einfach die Mitgliederliste der europäischen FCR an, dann werden Sie die wichtigsten Vertreter der Presse finden, der Geheimdienste, des Militärs etc.

Und wer die Bilderberger noch nicht kennt, hier eine kleiner Artikel:

http://www.politonline.ch/index.cfm?content=news&newsid=862

Unsere Bilderberger

[info]franek45 wrote:
Feb. 24th, 2008 09:01 am (UTC)
Unverbesserlich
Es ist leider so,daß gegen Russland eine regelrechte Kampagne stattfindet und die Medien,auch die öffentlich rechtlichen,lassen sich vor den Karren spannen.Aber die schießen nicht nur gegen Russland,auch gegen andere Staaten,wie Venezuela,Cuba,Iran usw., wird gehetzt.Also alle Staaten,die nicht das Spiel der USA spielen,stehen irgendwann am Pranger und werden als "Böse"hingestellt.
Wer weiß wo das noch hinführt?!

"Günni"Schubert mochte ich auch sehr,als Schauspieler und als Menschen.Am besten gefiel mir die Serie"Zur See".Werde ihn in guter Erinnerung behalten.

Mit freundichen Grüßen,
Frank Wagner,Köthen-Anhalt
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 24th, 2008 08:28 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Hat mich sehr gefreut, ihren Kommentar zu lesen.Vielleicht könnten wir uns generelletwas öfter über brenzlige und andere Themen austauschen?Beste Grüße. Martina Wiedemann
[info]franek45 wrote:
Feb. 28th, 2008 05:00 pm (UTC)
Unverbesserlich
Ja das wäre sicher nicht schlecht,Themen gibt es ja genug über die man sich austauschen könnte.
Zum Beispiel;was die auf Spitzbergen wohl mit der Samenbank bezwecken oder vielmehr,ohne Grund wird das ja nicht gemacht?!Steht uns vielleicht eine größere Katastrophe ins Haus und einige wissen schon darüber bescheid?Nachtigall ick hör dir trapsen!
Beste Grüße aus Köthen,
F.Wagner
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 28th, 2008 05:20 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Schwer zu sagen, denn wenn es rummst und diese "Bande"trotz Bunker auch draufgeht, kann man es eigentlich nur mit gewachsenemÜberlebensbewußtsein bezeichnen. Anderereseits kann es auch die Vorbereitung, die noch medienmäßig verwurschtetwird, zum großen Showdown sein. Wir können da eh nix machen, zu spät, haben zu lange geschlafen undauf ihr Gesäusel gehört.
[info]dr_wiedemann wrote:
Feb. 28th, 2008 06:35 pm (UTC)
Re: Unverbesserlich
Schwer zu sagen, denn wenn es rummst und diese "Bande"trotz Bunker auch draufgeht, kann man es eigentlich nur mit gewachsenemÜberlebensbewußtsein bezeichnen. Anderereseits kann es auch die Vorbereitung, die noch medienmäßig verwurschtetwird, zum großen Showdown sein. Wir können da eh nix machen, zu spät, haben zu lange geschlafen undauf ihr Gesäusel gehört.
[info]navigatorc wrote:
Mar. 2nd, 2008 08:59 pm (UTC)
re unverbesserlich
diese rumpöbeleien sind eher noch harmlos. über dieses emotionalisierendes zeugs
soll sich der leser dann tüchtig ärgern, oder ihm den verstand abschalten ( methode aus der mottenkiste )

am "besten" war bisher im märz 2007 der kommentator auf dem stattskunstsender arte.
als nach einem interview mit hrn. kasparov, der moderator mit zittriger stimme:
"jetz kann nur noch ein bewaffnetes eingreifen den marsch russlands in die diktatur verhindern"
sagte.
um zu verhindern, dass sich solche schreibtischtäter bei mir in der der wohnung breit machen,
habe ich mir als erste sofort-massnahme 2 bücher gekauft:

Das System. von Hans Herbert von Arnim
Prof. Dr. an der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
( recht trocken und wissenschaftlich geschrieben, auch wenn der titel anderes "verspricht" )

Ware Bildung von
Jochen Krautz ( promovierter Kunstpädagoge an der Bergischen Universität Wuppertal )
( hier gehts am beispiel der letzten dtsch. bildungsreform um das das zusammenspiel
zwischen Medien, medienkonzernen, und politik )

das hat zunächst mal nur indirekt was mit dem thema zu tun, aber bei anderen themen
läuft das ja so ähnlich, und ein emotionaler abstand ist zur analyse unumgänglich.

die ergebnisse dieser meinungsverkäufer, die sich selber als so eine art missionare,
für weisse indianer sehen, sind dann doch nicht so doll wie das den anschein hat.


auf die Online umfrage einer der o.g. zeitungen anworteten nach jetzt 2 jähriger
"objektiver und unabhängiger" berichterstattung die leser auf die frage:

Welche Note würden Sie Wladimir Putin für seine beiden Amtszeiten als Präsident geben?

33% 1
19% 2
12% 3
9% 4
14% 5
13% 6
Aktuell: 635 Stimmen
siehe:
http://www.welt.de/politik/article1745181/Marionette_Medwedjew_koennte_Putin_gefaehrden.html
peinlicher gehts kaum noch.
oder doch ?
hr. mc cain hat mal wieder ein interview gegeben:

"Über das Wochenende war ich auf einer Konferenz in Deutschland und der
deutsche Präsident Putin hielt eine seiner Reden im Kalten-Krieg-Stil",
so der Republikaner in seiner Rede.
"Newsradio 1290WJNO.com"

wie sagte doch unser brasilianischer bundeskanzler deng xiau ping immer:
"lasst euch vom geschrei auf dem meinungsmarkt nicht so beeindrucken"

navigatorc


[info]wolfgang_a wrote:
Mar. 3rd, 2008 07:33 pm (UTC)
Falsche Vorstellungen über die Welt der Staaten!
Einmal angenommen, die imperialistischen Staaten würden Rußland loben ob seiner Fortschritte in Sachen Demokratisierung und Kapitalisierung, könnte man sich in Rußland darüber freuen? Vermißt man in Rußland etwa die Heuchelei, auf die sich der Westen gleichwohl gut versteht? JEDE Stellung eines Staates gegenüber einem anderen ist eine auf die Schwächung des anderen und Stärkung des eigenen Staates berechnete.

Das wäre freilich ja schon mal eine marxistische Einsicht, und eine solche ist weder hier noch dort gefragt: Nationalisten - egal wie demokratisch - haben damit nichts am Hut.

Abweichende Meinungen in der BRD z.B. unter www.koka-augsburg.com
auf russisch: www.perwomai.narod.ru
[info]runkel wrote:
Mar. 7th, 2008 05:16 pm (UTC)
Die Presse
Eine schweizer Zeitschrift hat die Leser vor drei Tagen darüber abstimmen lassen, welche Zeitungen und Zeitschriften aus dem Presse-Beeinflussungstopf des US-Präsidenten (von ca. 1.2 Mrd Dollar) die größten Zuwendungen bekommen haben.
Der Spiegel stand auf Platz 1.
[info]runkel wrote:
Apr. 21st, 2008 09:30 pm (UTC)
Wohin
Eine Krise führt einer Gesellschaft immer zu einer Konzentration der Mittel, zum einem Einschränken. Man könnte sogar sagen, die Gesellschaft springt auf ein niedrigeres Niveau, eine Demokratie auf diktatorische Strukturen. Wenn man sich Deutschland anschaut und die diktatorischen Strukturen, die aus einer vom Staat selbst erzeugten Bedrohung gewonnen werden, kann man die Befürchtungen vor einer Krise genau ablesen.