oder Trockenschwimmen geübt. Somit bleiben alle immer schön sportlich, Pferderennen, Schach und Boxen hatten wir schon, jetzt gehen wir ins Wasser.
Es gibt zwar noch immer Politiker und Journalisten, die felsenfest behaupten, Russland sei der Aggressor und habe das arme kleine, schutzlose und unbewaffnete Grusinien heimtückisch überfallen, es werden aber auch zunehmend andere Töne laut, sogar aus amerikanischen Regierungskreisen, dass die grusinische Armee Südossetien angegriffen und somit den Krieg begonnen hat. Mit massiver überseeischer und anderer nachbarschaftlicher Hilfe, wie aus der Untersuchung der Trophäen hervorgeht.
Nun muss sich der Westen in die Riemen legen und zurückrudern, denn es steht viel auf dem Spiel. Die Suppe, die maßgeblich mit amerikanischen Gewürzen eingerührt wurde, löffelt, wie solls denn auch anders sein, Europa aus. Sarkozy muss seine Carla in letzter Zeit oft allein zu Haus lassen, denn er pendelt notgedrungen zwischen Brüssel, Moskau und Tbilissi hin und her, um den Frieden im Kaukasus haltbar und für beide Seiten annehmbar zu gestalten. Frankreich steht zur Zeit der EU vor und hat damit den schwarzen Peter in der Tasche. Einerseits soll Russland vor allem auf Drängen der baltischen Staaten und Polen ein Denkzettel verpasst werden, andererseits sieht Sarkozy sehr genau, wes Geistes Kind der grusinische Zampano wirklich ist. Er entzog sich Saakaschwili sehr geschickt, als es ums Starfoto nach dem Briefing ging, um nicht in dessen Umarmung auf einem Bild zu erscheinen. Außerdem nervt es natürlich, wenn der unbelehrbare Grusinier auch nach den Verhandlungen, wo das europäische Beobachterkontingent für die Krisenregion und der russische Truppenabzug besprochen wurden, immer wieder behauptete, die Russen haben angefangen, wie sie es immer getan hatten, im 19., 20. und 21. Jahrhundert. Die Gesichter der anwesenden hochrangigen Europapolitiker und des französischen Außenministers sprachen Bände. Soviel Borniertheit hatten sie offensichtlich nicht erwartet.
Nun meldet sich auch die grusinische Oppostion wieder zu Wort, die während des Konfliktes sozusagen Waffenruhe mit Saakaschwili geschlossen hatte. Man bedeutet ihm mehr oder weniger offen, seinen Hut zu nehmen und ist gewillt, den Präsidenten neu wählen zu lassen. Die Oppositionspolitiker betonen ihren Willen, sowohl mit Amerika als auch mit Russland gute Beziehungen anzustreben. Die diplomatische Anerkennung Südossetiens und Abchasiens durch Russland gefällt da natürlich nicht, aber die Opposition weiß, dass das Ringen um diese beiden Republiken durch die heimtückische Aktion Saakaschwilis für Grusinien mit einer Niederlage endete. Mit einer Niederlage an der Haustür, ein Glücksfall für Tbilissi, denn eigentlich ist es üblich, dass der Aggressor im eigenen Haus zur Strecke gebracht wird. Die Russen werden abziehen und Grusinien kann dann wieder ganz allein mit den vielen neuen amrikanischen, israelischen und ukrainischen Waffen spielen und sich leckere Menüs in Edelstahlfeldküchen der Firma „Kärcher“ in frischer Bergluft zubereiten. Nagelneue Hummer-Geländewagen, gepanzert und mit allen Schikanen der Technik ausgerüstet, dürften ein gefragtes Transportmittel werden, um rechtzeitig zum Dinner da zu sein.
Im Windschatten des Südossetien-Konfliktes wollte sich der Busenfreund Saakaschwilis, der proamerikanische orangene Demokrat Juschenko profilieren und begann die Stationierung der russischen Schwarzmeeflotte in Sevastopol in Frage zu stellen und die Bewegungen der Flotte von seiner Zustimmung abhängig zu machen. Einige Schiffe waren ausgelaufen, um an der abchasischen Küste Präsenz zu zeigen und jeden Versuch, auch in Abchasien militärisch tätig zu werden, im Keime zu ersticken. Das passte vor allem den Amerikanern nicht und so mußte Klein-Viktor handeln. Auch in Europa war an den Reaktionen der Stiefel Amerikas zu spären. War Merkel anfangs gegen eine EU- und NATO-Mitgliedschaft Grusiniens und der Ukraine, so beeilte sie sich dann zu betonen, dass es unbedingt notwendig sei, beide Staaten schnell in die Bündnisse zu integrieren. Bravo! Kommen noch mehr Zöglinge Amerikas in die EU, kann diese sich gleich selbst auflösen und sich unter das Sternenbanner begeben. Spart einen Haufen Geld!
Inzwischen ist aber sehr viel Wasser im Schwarzen Meer von amerikanischen Kriegsschiffen, die selbstverständlich ausschließlich humanitäre Hilfe nach Grusinien bringen, bewegt worden und es weht eine etwas andere Brise. Die Ukraine hatte sich aufgemacht, am 9. September in Paris von der EU zu hören, dass ihrer baldigen Aufnahme in die Gemeinschaft nichts mehr im Wege steht, dass es ein Abkommen über visafreien Verkehr (schönes Wort, nicht? ) geben wird. Nichts dergleichen ist passiert. Mit unverfänglichen Aussagen einfach abgespeist! Reicht doch, dass die Ukraine im Schnellverfahren in die WTO aufgenommen wurde. An diesem Ei haben sie noch lange zu knabbern, denn nun ist Russland gezwungen, die umfangreichen Handelsbeziehungen mit der Ukraine neun zu ordnen.
Russland und die Ukraine zu entzweien ist das eigentliche Ziel der USA. Grusinien, bleiben wir beim Sport, war nur die Aufwärmübung. Dazu reichen aber, hoffen wir das mal, die Muskeln noch nicht aus, denn die Bevölkerung, vor allem die der Ostukraine, wird hier auch noch ein Wort mitreden. Ohne Referendum geht es nicht ab.
Juschenko hat minimale Unterstützung bei seiner Anbiederungsversuchen an Amerika, höchstens in der armen Westukraine, die außer Bendera-Verehrung nicht viel zu bieten hat. Ich schätze mal, auch er wird in Kürze seinen Hut nehmen dürfen. Seit er gewählt wurde, ist nichts außer Skandalen in der Obersten Rada und erbitterten Kämpfen mit Julia Timoschenko, die ihn im intriganten Machtspiel um Längen schlägt, passiert. Löst er nach nur einem Jahr das Parlament wieder auf, weil nichts mehr geht, versinkt er endgültig in die Bedeutungslosigkeit.
Im Gerangel um die Durchsetzung geopolitischer Interessen haben wir noch einiges zu erwarten, Amerika ist gewillt, diese auf dem Schachbrett Eurasien auszutragen, genau vor der Haustür Russlands. Sollte der Südossetien-Abchasien-Konflikt nur gerade jetzt angezettelt worden sein, um in der heißen Phase des amerikanischen Wahlkampfes Vorlagen für massiven Antirussismus zu liefern und besonders einem Kandidaten bei der außenpolitischen Profilierung behilflich zu sein? Teures Vergnügen!

